Lösungen beim Kartoffeltag des AELF in Sünching
Kartoffelanbau im Klimawandel

2 Personen stehen vor einer Leinwand und reichen sich die Hand

Pernpeintner (l.) und Kapfelsberger

Regensburg gehört zu den Top 3-Landkreisen beim Kartoffelanbau. Die Kartoffel ist für die Landwirte ein wichtiger Teil in der Fruchtfolge und eine bedeutende Einnahmequelle. Doch der Klimawandel macht es ihnen nicht leicht. Die Verbreitung von Stolbur/SBR droht, den Kartoffelanbau vor die Existenzfrage zu stellen.

Als ob das noch nicht genug wäre, drohen zunehmende Starkregenereignisse Kartoffeläcker abzuschwemmen. Beim Kartoffeltag 2026 in Sünching des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regensburg-Schwandorf erfuhren die Landwirte die neuesten Erkenntnisse dazu, und wie sie diesen Herausforderungen in Zukunft begegnen können.

Schilfglasflügelzikade verbreitet Stolbur/SBR

Seit einigen Jahren macht sich auch in Bayern Stolbur/SBR breit. Sie stellt vor allem bei Speisekartoffeln ein großes Problem dar, da diese schnell nicht mehr verarbeitet oder verkauft werden können. Mittlerweile sind auch die Saatkartoffeln zunehmend befallen und können deshalb keine vernünftigen Knollen mehr bilden. Die Krankheit ist also ein erhebliches Problem, das bleiben wird. Doch eine direkte Bekämpfung der Erreger ist nicht möglich. Die einzige Möglichkeit besteht darin, den Überträger – die Schilfglasflügelzikade – zahlenmäßig niederzuhalten.

Monitoring überwacht Ausbreitung der Schilfglasflügelzikade

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Klebefalle für Monitoring

Anders als die Kartoffel ist die Schilfglasflügelzikade einer der Gewinner des Klimawandels. Früher war sie – wie der Name schon sagt – in begrenzter Zahl an Schilfufern zuhause. Doch die veränderten klimatischen Bedingungen ließen sie ihren Aktionsradius immer weiter ausbreiten. Schon hat sie eine neue Heimat im Donauraum zwischen Regensburg und Augsburg sowie im Großraum Würzburg gefunden. Dort, wo viele Kartoffeln angebaut werden. Dies weiß man aufgrund eines intensiven Monitorings durch die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

„An rund 100 Kartoffelstandorten in ganz Bayern kontrollieren wir mit Klebefallen das Aufkommen der Zikaden.“
Nico Kapfelsberger, LfL

Das Monitoring zeigte, dass in den Jahren 2024 und 2025 weniger Zikaden in den Fallen gefangen wurden. Dies sei vor allem auf die für die Zikaden ungünstige Witterung zurückzuführen. Zugleich habe sich aber auch gezeigt, dass die vormaligen Hotspots – z.B. der Großraum Würzburg – weniger stark befallen waren, die Zikaden sich aber auf andere Gebiete ausgebreitet haben. Im vergangenen Jahr galt der Landkreis Regensburg als ein solcher Hotspot.

Bekämpfungsstrategie nach Warndienstaufruf

Kapfelsberger berichtete auch von den Versuchen, die die LfL gemeinsam mit der UNIKA (Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e.V.) durchgeführt hat. Dazu wurden jeweils mit einer Erntefläche von 28 Quadratmetern Streifen angelegt und je nach Variante mit Insektiziden oder Pflanzenstärkungsmitteln behandelt beziehungsweise als Kontrollgruppe unbehandelt belassen. Das Ergebnis zeigte: Sowohl die Behandlung mit Insektizid als auch die mit Pflanzenstärkungsmittel sorgte für einen höheren Ertrag.
Deshalb wird auch im Jahr 2026 die Bekämpfungsstrategie sein, dass die Landwirte nach dem amtlichen Warndienstaufruf ihre Kartoffelflächen entsprechend behandeln. Dieser Aufruf wird nach den Regeln des integrierten Pflanzenschutzes nur erfolgen, sofern eine Behandlung wirklich notwendig ist. Die Datenbasis dazu wird das LfL-Monitoring der Schilfglasflügelzikade sein. Der Aufruf wird über das Zuckerrübenfax, das Erzeugerringfax sowie auf der Homepage der LfL zugänglich sein.

Mulchsaat schützt vor Erosion

Der Kartoffelanbau spielt vor allem im Süden von Regensburg eine große Rolle. Dort, wo Gäuboden, Donauschwemmland und tertiäres Hügelland zusammentreffen, ist der Boden oft sehr fein und bringt zusammen mit hängigem Gelände bei Starkregenereignissen die Gefahr von Bodenerosion mit sich. Ludwig Pernpeintner vom AELF stellte mit der Kartoffelmulchsaat mit Herbstdammbegrünung ein Verfahren vor, das hier Abhilfe schaffen kann und zugleich etwas für den Humusaufbau im Ackerboden tut. Dieses Verfahren hat Landwirt Ludwig Lichtinger aus Petzkofen entwickelt.

Einfaches System mit bewährter Technik

Traktor mit Dammhäufler auf dem Feld

Dammhäufler mit Schlauchstreuer

Das System Lichtinger benötigt keine großen Neuanschaffungen von Maschinen, sondern nur ein Umbau von Technik, die bereits vorhanden ist. Nach einer Grundbodenbearbeitung mit Pflug sät er die Zwischenfrucht mithilfe eines Dammhäuflers, an dem ein pneumatischer Schlauchstreuer für die Zwischenfruchtaussaat sowie am Ende zusätzliche Zinken zum Andrücken verbaut sind. Im Frühjahr baut Lichtinger dann die Dämme neu an, um frische und lockere Erde an die Kartoffelknolle zu bringen. Dazu nutzt er eine klassische Legekombination mit Kreiselegge im Frontanbau und einem Legegerät. Warum also der Aufwand im Herbst? „Die Kartoffel erhält so, was sie am liebsten hat: noch mehr lockere und frische Erde“, so Pernpeintner.

Zwischenfrüchte verbessern Humusbilanz

Neben dem Erosionsschutz hob Pernpeintner die positive Humusbilanz der Zwischenfrüchte hervor. Die Humuswirkung verschiedener Kulturen wird in Humusäquivalent pro Hektar (Häq/ha) angegeben. So baut zum Beispiel Winterweizen – sofern das Stroh auf dem Feld bleibt – 420 Humusäquivalente pro Hektar auf. Kartoffeln hingegen haben einen negativen Wert von minus 760 Humusäquivalenten. Zwischenfrüchte mit einem Wert von 100 können den humuszehrenden Charakter der Kartoffel deutlich abschwächen.
Humusbilanz (Betrieb mit 100 ha)
FruchtfolgegliedFläche in haHumuswirktung in Häq/haHumuswirkung auf dem Gesamtbetrieb
Kartoffel25-760-19000
Zuckerrüben (keine Blattbergung)25-280-7000
Winterweizen (keine Strohbergung)5042021000
Saldo-50-5000
Zwischenfrüchte100

Oberpfälzer Erntegespräch zur Kartoffelernte 2025
Licht und Schatten

Mehrere Personen auf einem Kartoffelacker

Kartoffelkönigin Elena I. (vorne r.) kam extra zum Erntegespräch.

Wie geht es weiter mit der Kartoffel in der Oberpfalz? Damit beschäftigte sich das Oberpfälzer Erntegespräch des AELF Regensburg-Schwandorf in Zusammenarbeit mit dem Erzeugerring Oberpfalz Gebietsgemeinschaft Oberpfalz der Erzeugergemeinschaften für Qualitätskartoffeln.   Mehr